Mit rund 40 Gästen wurde am Donnerstagabend im Aegis Café in Ulm die Jubiläumsveranstaltung „125 Jahre Hermann Hesse & Ulm“ gefeiert. Die von der Stadt Ulm geförderte Veranstaltung bildete einen würdigen Auftakt des Jubiläumsjahres und machte sichtbar, wie lebendig Hermann Hesses Verbindungen zu Ulm, Neu-Ulm, Laupheim und Blaubeuren bis heute sind.

Bereits im Vorfeld fand eine öffentliche Führung auf dem Hermann-Hesse-Besinnungsweg Ulm statt. Dabei erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die literarischen, historischen und persönlichen Bezüge Hermann Hesses zur Region.

Am Abend verband das Programm Musik, Literatur und Zeitgeschichte auf besondere Weise. Die musikalische Gestaltung lag in den Händen von Elisabeth Bair-Arkılıç und Bahadır Arkılıç. Mit ausgewählten Werken von Wolfgang Amadeus Mozart rahmten sie den Abend musikalisch – darunter die Ouvertüre zu „Die Entführung aus dem Serail“, „Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün“ sowie „Das klinget so herrlich“ aus der „Zauberflöte“.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war das von Dana Hoffmann geführte und verschriftlichte Interview mit Regina Gaissmaier, der Enkelin von Eugen Zeller. Die 94-Jährige konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich anwesend sein, gilt jedoch geistig weiterhin als außergewöhnlich klar und präsent. Dadurch entstanden eindrucksvolle und sehr persönliche Erinnerungen an die Familiengeschichte und an die Verbindung der Familie Zeller zu Hermann Hesse.

Besonders bewegend war die Schilderung eines Bombenangriffs auf Ulm, den die Familie im Keller des Hauses überlebte. Zum Glück wurde dort später auch die Handtasche von Klara Zeller mit allen Ausweisen und Papieren gefunden – ein stilles und berührendes Zeugnis jener Zeit.

Im Mittelpunkt des Abends stand zudem der Hermann-Hesse-Besinnungsweg Ulm. Gerd Xeller sprach über Entstehung, Wirkung und Vision des Projekts. Der Weg verbindet Literatur, Stadtgeschichte und persönliche Reflexion und macht die Spuren Hermann Hesses in Ulm, Neu-Ulm, Laupheim und Blaubeuren neu erfahrbar.

Für intensive Gespräche sorgte eine besondere Idee von Dana Hoffmann: Unter jedem Platz lag ein Hermann-Hesse-Zitat, das die Gäste miteinander ins Gespräch bringen sollte. Daraus entwickelten sich lebendige Diskussionen über Lebenswege, Sinnfragen, Wandel und persönliche Erfahrungen – ganz im Geist Hermann Hesses.

Auch das von Elisabeth Bair-Arkılıç und Bahadır Arkılıç vorgetragene Wandervogellied „Mich brennt’s in meinem Reiseschuh“ griff die Themen Aufbruch, Sehnsucht und innere Bewegung auf, die sich durch viele Werke Hermann Hesses ziehen.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie aktuell Hermann Hesses Gedankenwelt bis heute geblieben ist – gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche und wachsender Suche nach Orientierung, Menschlichkeit und innerer Klarheit.

Die Gesamtleitung der Veranstaltung lag bei Gerd Xeller, die Moderation übernahm Dana Hoffmann.

Die nächste öffentliche Führung auf dem Hermann-Hesse-Besinnungsweg Ulm findet am 19. Juni statt. Weitere Informationen unter:

www.hermann-hesse-besinnungsweg.de